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Blättervogel
Gedichte mit Fotos von Birgit Bydlinski

Georg Bydlinski legt einen neuen Gedichtband vor. Blättervogel – das kann einerseits als Assoziation zum Titelbild gelesen werden, andererseits als poetische Formel für die Rezeption von Lyrik überhaupt: Von den Buchseiten angeregt steigt die Imagination auf wie ein Flügelwesen. 

Der Band besteht aus drei Kapiteln: 
„Mitsprache“ fängt Augenblicke ein, in und hinter denen mehr als das unmittelbar Erlebte aufblitzt.
„Einschlüsse“ enthält Gedichte, deren Kern jeweils ein Haiku ist.
Und „Südwärts“ fasst zwei facettenreiche, 12-teilige Reisezyklen zusammen. 

Begleitet werden die Gedichte von Fotografien von Birgit Bydlinski – einfühlsamen Momentaufnahmen aus oft überraschenden Perspektiven, die die Poesie des Augenblicks auf der visuellen Ebene weiterführen.

Rezension

Mara Scherzer, Rundbrief des Österreichischen Schriftsteller/innenverbandes

Schon der Titel von Georg Bydlinskis jüngstem Lyrikband „Blättervogel“ lässt sich auf vielfache Weise deuten: Die Covergestaltung zeigt einen Vogel aus Laubblättern, das haptische Buch weckt natürlich Assoziationen mit Papierblättern, mit dem Akt des Umblätterns. Ebenso vielschichtig und offen erscheinen die poetischen Augenblicke, die lyrischen wie die fotografischen, in die wir beim Lesen Seite für Seite neu eintauchen. Jedes Foto und fast jedes Gedicht bekommt seine eigene Seite, seinen eigenen Atemzug, seinen eigenen Raum – die beiden längsten Gedichte sind im dritten Abschnitt „Südwärts“ versammelt und dürfen sich, einer Reise entsprechend, über längere Strecken ausdehnen. Geistige Ausbreitung, Horizonterweiterung und Erholung ziehen sich auch als Motive durch den gesamten Band: Wir schlendern durch „Gärten in denen wir / aufatmen (S. 43), „immer leichter werdend / im Aufwind der Vorfreude / als wäre der uns erwartende Zug / ein luftiger Ballon“ (S. 61). Kein Blatt, kein Blick ist zu flüchtig für den Blättervogel, der mit jedem noch so unerheblich scheinenden Augenblick auf den Schwingen des Windes an unseren Augen vorbeifliegt. Das punktuelle Aufgehen im Hier und Jetzt wird in „Blättervogel“ zelebriert. Jede der Schwarzweiß-Fotografien, jedes der Gedichte ist eine eigene, kleine Welt.

Helmuth Schönauer, BIP / Lesen in Tirol / Poesiegalerie

Die drei „Erkenntnisvorrichtungen“, die zu einem lyrischen Konzentrat führen, sind in diesem Gedichtband mit den Kapiteln überschrieben: Mitsprache, Einschlüsse, Südwärts. Einmal ist es das lyrische Ich, das sich intim in die Öffentlichkeit einmischt, sei es durch Lektüre oder „Fang | Fund“, wie die Doppelseite 10/11 angelegt ist. Einmischen und Einwirken lassen sind dann auch die zwei Kanäle der Mitsprache. Zum andern werden rätselhafte „Einschlüsse“ vorgestellt, wenn etwa in einem Acker ein Schatz eingeschlossen bleibt, während an seiner Oberfläche die Fruchtfolge gepflegt wird. Aber auch die beiden Gedichte „Mutter, nach dem Schlaganfall“ (41), „Mutter, zuhörend“ (42) handeln von Einschlüssen, die sorgfältig umhegt werden müssen, will man sich auf ihre Botschaften einlassen. Der dritte Erkenntniszugang besteht aus einer schlichten Richtungsangabe „südwärts“, wobei der optimistische Klang des Wortes Süden in Reisebildern in Erfüllung geht. In einem Bogen eins bis zwölf und zwölf bis eins wird eine Bewegung angedeutet, worin sich das Ich auf den Weg macht, um verlässlich wieder an den Ausgangspunkt zurückkehren zu können. Der Ausgangspunkt ist dann auch das Ende des Gedichtbandes, der mit dem unverwechselbaren Glücksgeräusch endet: „Katzenschnurren: daheim“ (66)

Leseprobe

Pole

Schwer
wie die erinnerten
Steine 

Etwas daraus bauen 
von dem man abheben kann 

leicht
wie der Atem aus Wind
wie ein Vogel aus Blättern

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